27 Januar, 2020 | Admin

Warum Baugeld wieder teurer wird

Seit ihrem Rekordtief im Oktober sind die Bauzinsen wieder leicht gestiegen. Was hinter dem Anstieg steckt – und wie Bauherren und Hauskäufer sich gegen weiter kletternde Zinsen wappnen.

Wer mit dem Gedanken gespielt hat, aus der Mietwohnung ins Eigenheim zu ziehen, konnte sich lange darauf verlassen: An steigenden Bauzinsen wird der Traum von den eigenen vier Wänden nicht scheitern. Jahrelang befanden sich die Zinsen für Immobilienkredite im Sinkflug, im vergangenen Jahr kratzten sie bei den ersten Instituten sogar an der Nulllinie. Negativzinsen schienen nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich. Doch von dem Gedanken, in Zukunft von der Bank fürs Geld leihen bezahlt zu werden, müssen sich Häuslebauer wohl vorerst verabschieden.

Die Zinsen für Baufinanzierungen sind zuletzt erstmals seit Jahren wieder gestiegen, zeigen Zahlen des Vergleichsportals Biallo.de und der FMH-Finanzberatung. Der Biallo-Index für Immobiliendarlehen mit zehn Jahren Laufzeit stieg im Januar auf 0,81 Prozent. Im vorigen Oktober markierte er mit 0,71 Prozent noch auf seinem historischen Tiefpunkt. Ähnlich entwickelte sich auch der FMH-Index. Er ist seit seinem Tiefpunkt von 0,68 Prozent im Oktober 2019 kontinuierlich gestiegen und liegt aktuell bei 0,82 Prozent. Aufwärts geht es auch bei 15-jährigen Zinsbindungen. Biallo.de zufolge verlangen Banken dafür mittlerweile im Schnitt 1,15 Prozent pro Jahr. Bei 20 Jahren ist der Durchschnittszins von 1,32 Prozent im Dezember auf derzeit 1,35 Prozent geklettert.

Marktbeobachter erklären die Trendwende beim Baugeld mit dem Renditeanstieg bei zehnjährigen Bundesanleihen. Denn Banken refinanzieren ihre Immobilienkredite über Pfandbriefe, deren Konditionen sich maßgeblich an den Bund-Renditen orientieren. Fallende Renditen ziehen daher in der Regel auch die Bauzinsen mit nach unten. Im Moment ist das Gegenteil der Fall. Die Weltlage scheint sich zu stabilisieren: Die Brexit-Sorgen gehen zurück, im Handelsstreit haben China und die USA ein Teilabkommen unterzeichnet, und der Iran-Konflikt ist nicht eskaliert. Entsprechend steigen die Anleiherenditen. Seit ihrem Rekordtief von minus 0,71 Prozent im August sind sie inzwischen auf minus 0,19 Prozent geklettert. Damit haben auch die Refinanzierungskosten für Banken angezogen – die die gestiegene Belastung wiederum in Form höherer Bauzinsen an Kreditnehmer weiterreichen.

Kreditnehmer bekommen selbst kleine Veränderungen im Zinsniveau zu spüren. Bei Summen von 200.000 Euro und mehr kann ein halbes Prozent bereits mehrere hundert Euro Unterschied machen – pro Monat. Ist die günstigste Zeit zum Hausbau also vorbei? Baufinanzierungsexperten sagen: nein, noch nicht. „Wir sehen für 2020 weiterhin niedrige Bauzinsen im positiven Bereich und gehen von Konditionen für zehnjährige Darlehen auf dem derzeitigen Niveau um ein Prozent pro Jahr und etwas darunter aus“, kommentiert Mirjam Mohr, Vorständin des Finanzdienstleisters Interhyp.

Wohin entwickeln sich die Bauzinsen?

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich das aktuelle Zinsniveau für die Zukunft sichern, etwa mit Hilfe eines Bausparkontos. Mit einem Bausparvertrag sichern sich Kaufinteressenten einen Anspruch auf einen günstigen Kredit. Der Zinssatz für das Darlehen steht fest, auch wenn der Bausparer den Kredit erst in einigen Jahren abruft. Für Hauskäufer, bei denen die Zinsbindung in den kommenden fünf Jahren ausläuft, können auch Forward-Darlehen eine Alternative sein. Damit legen Hausbauer das aktuelle Zinsniveau für ihre Anschlussfinanzierung fest. Sie zahlen dafür allerdings eine Gebühr, den sogenannten Forward-Aufschlag. Dieser liegt umso höher, je früher Kreditnehmer und Bank den neuen Zins festschreiben.

Ob die Trendwende bei den Bauzinsen Bestand hat, hängt von der weiteren Konjunkturentwicklung ab. Stabilisiert sich das Wirtschaftswachstum und bleibt es auch an der politischen Front ruhig, dürften die Bund­-Ren­diten weiter steigen – und mit ihnen die Bauzinsen. Umgekehrt hat die Vergangenheit aber auch gezeigt: Die nächste Krise ist oft nur einen Tweet entfernt.

Quelle : Capital

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